Ihr musikalisches Talent wurde früh entdeckt: Bereits mit neun Jahren spielten Sie im Weissen Haus. Was hat in Ihnen den Wunsch geweckt, Ihre Musik mit der Welt zu teilen?
Zuallererst war da der Wunsch meiner Eltern, die mich in meiner musikalischen Ausbildung förderten. Ich habe mich auf der Bühne immer sehr wohlgefühlt, während meine Eltern stets Lampenfieber hatten. Das war sicher ein erstes Zeichen, dass ich auf diesem Weg weitergehen würde. Die grosse Leidenschaft erwachte etwas später als Teenager.
Sie sind in den USA als Kind chinesischer Eltern aufgewachsen und leben seit Ihrem 18. Altersjahr in Deutschland. Wie haben diese Länder Sie geprägt?
Beide Welten sind Teil von mir. Da ich mittlerweile mehr als die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht habe, hat mich dieses Land sehr geprägt und es ist zu meinem Zuhause geworden. Was die musikalische Ausbildung angeht, so war es mein Ziel, durch das Studium in Europa die Musik besser zu verstehen, indem ich die persönliche Perspektive der Komponisten, ihre Heimat und natürlich auch Sprache kennenlernte. Aus meiner Ausbildung in den USA nehme ich einen starken Fokus auf Virtuosität, Technik und Bühnenpräsenz mit.
Sie haben den Ruf, «die schnellsten Finger der Welt» zu haben. Wie viel Zeit verbringen Sie täglich an der Tastatur?
Heutzutage nicht viel (lacht). Ich habe zwei Kinder – so habe ich Glück, wenn ich am Tag eine bis zwei Stunden Zeit zum Üben finde. Man muss einen entspannten Umgang damit finden, wenn man nicht mehr alles planen kann.
«Piano Heroines» heisst Ihr Album, auf welchem Sie Werke von Fanny Hensel, Clara Schumann, Amy Beach und Florence Price würdigen. Woher kommt Ihre Hingabe für diese Komponistinnen?
Es war mir schon lange ein persönliches Anliegen, Werke dieser Komponistinnen auf der Bühne zu teilen. Ich erlebe dabei immer wieder, wie überrascht und begeistert das Publikum auf diese unbekannten Stücke reagiert. Das macht grosse Freude.
Was ist für Sie die grösste Herausforderung als Pianistin?
Es gibt Tage, an denen fühlt sich das Spielen wie Arbeit an. Unsere Aufgabe ist es, andere zu inspirieren, ihnen Energie und neue Perspektiven zu geben – das kostet viel Kraft. Jedes Konzert ist einmalig. Für mich ist das ein heiliger Moment, den man da miteinander teilt. Immer frisch zu bleiben ist die grösste Herausforderung, gleichzeitig macht es unseren Beruf auch so besonders.
Ihr musikalischer Weg führte Sie schon einige Male nach Schaffhausen. Was verbindet Sie mit diesem Ort?
Es war meine allererste internationale Reise, die mich nach Schaffhausen führte, wo ich mein Orchesterdebüt spielte. Das war unvergesslich. Einige Jahre später war ich für den «Concours Géza Anda»-Klavierwettbewerb in Zürich. Zwischen dem Semifinale und dem Finale war das Klavierkonzert von Grieg mit Annedore in Schaffhausen geplant. Für mich war dieses Konzert wie ein Anker, da ich nicht wusste, ob ich im Wettbewerb weiterkommen würde. Die Nachricht, dass ich es ins Finale geschafft hatte, erreichte mich in Schaffhausen. So reiste ich an jenem Abend nach Konzertende direkt zurück nach Zürich, um zu üben. Diese beiden Momente bedeuten mir viel.
Das Interview führte Amy Douglas


